Eine Stadt- Struktur und Erlebnisreich

Konzept 1 zum Projekt Altstadt-H

Raumgefüge
Der Grundriss von Wunsiedel ist geprägt durch die gestalterische Überlagerung zweier unterschiedlicher geschichtlicher Epochen und der Vielgestaltigkeit der Altstadt. Durch diese Vermengung unterschiedlicher Systeme besitzt die Innenstadt von Wunsiedel ein System von linearen Achsen, unregelmäßigen Gassen und einzigartigen Plätzen und Platzaufweitungen. Diese Aufweitungen und Versprünge im Straßenraum lassen spannende Raumsituationen, sowie attraktive Platz- und Venıveilräume im Zentrum entstehen, welche die Innenstadt liebenswert und einzigartig machen.
lm Zuge der Umgestaltung der Altstadt ist es unser Ziel, die ortsspezifischen Grundelemente des Raumes zu stärken und die kleinräumigen Besonderheiten zu unterstreichen. Die Atmosphäre des Ortes soll unter Orientierung an den  unterschiedlichen städtebaulichen Grundstrukturen wiederbelebt werden. Ziel ist es, durch Verbesserung des räumlichen Umfeldes und einer attraktiven Gestaltung der Straßen- und Platzräume ein lebenswertes und zugleich belebtes Zentrum zu schaffen, bzw. zu unterstützen.
Die linearen Straßenzüge werden zum einen durch ihre baulichen Kanten, als auch durch die Funktion der Erschließung geprägt. Der Marktplatz, als zentraler Punkt der Stadt, wird hierbei als offener, multifunktionaler Kernraum ausgebildet. Baumreihen entlang der Achsen schaffen hier ein klassisches Promenadenambiente
und verleihen diesen zentrumsnahen Bereich ein besonderes Merkmal in der Stadtgestalt.

Das zentrale „H“
Der Begriff des kennzeichnet die linearen Erschließungsachsen der Maximilianstraße, mit den Platzaufweitungen des Luitpoldplatz und des Jean-Paul-Platzes an der St. Veit Kirche sowie der Ludwigstraße und dem zentralen Marktplatz. Diese Achsen sind im Verlauf der Geschichte über das mittelalterliche Stadtgefüge gelegt wurden und haben das Antlitz der Stadt Wunsiedel nachhaltig verändert. Bestehende Strukturen der Altstadt wurden als Gassen angeschlossen oder als Platzräume integriert. Trotz des oberflächlich betrachtet starren Korsetts besitzen alle linearen Straßenverläufe eine Eigenständigkeit, welchen im Entwurf Rechnung getragen wird. Das Grundgerüst bildet ein wertiger Stadtbelag aus  Natursteinplatten in den Vorzonen und Platzbereichen sowie Natursteinpflaster in der Fahrbahn. Der klassische Charakter der Achsen wird weiterhin durch die begleitenden Baumreihen aus kleinkronigen Winterlinden fortgeführt. ln der Ludwigstraße und Maximilianstraße schafft die südgewandte Baumreihe eine Flaniervorzone.
Sitzgelegenheiten laden zum Verweilen ein, Stauden und Gräserbänder in der Maximilianstraße schaffen ein grünes Entrée zur Stadt.
Der Zentrale Bereich der Maximilianstraße wird durch die Besonderheit der drei Plätze akzentuiert. Hier wandelt sich das Bild der Achse zu einem Bindeglied der Plätze. Luitpoldplatz und Jean-Paul-Platz werden durch prägende Bauwerke akzentuiert und durch Brunnen und Denkmäler belebt. Charakteristisch für Wunsiedel werden die Brunnenanlagen der beiden Plätze durch stattliche Bäume arrondiert. Wasserspiel, Baumkronen und Platz bieten zurückgezogene Verweilräume an.
Der Marktplatz bildet die Mitte der Stadt. Entsprechend seiner Funktion als zentral Fläche für Veranstaltungen, Treffpunkt und öffentlichen Leben schlagen wir einen offenen Platz vor. Die Fassaden und Funktionen werden freigestellt, Nutzungen auf dem Platz zugeordnet. Der durchgehende Plattenbelag schafft hier die wohltuende, ruhige Tafel, auf, welchem sich die Stadt präsentiert. ln der Mitte präsentiert sich der neue Marktbrunnen als zurückhaltendes, dennoch kräftiges Element, als Fortschreibung der Tradition der Stadt und der historischen Brunnenanlagen. Seine gering erhobene Gestalt hebt ihnen aus dem Belag hervor, ohne die Bezüge zu unterbrechen. Wasserfontänen kokettieren mit der Festivalstadt in der  Lebhaftigkeit, Spiegelflächen zeichnen ein Spiegelbild der Stadtfassenden.
Das Nachtbild der Achsen und des Marktplatzes wird geprägt durch das lineare Seillicht. Die Ko(u)nstruktion einer frei hängenden Lichtlinie nimmt die historischen Achsen auf und übersetzt sie in eine zeitgenössische Formensprache. Störende Einbauten im Raum werden vermieden. Als leichte Linien im Raum bildet sie tagsüber eine schwebende Achse, des Nachts entwickelt sie sich zu einer markanten Lichtlinie und legt sich wie selbstverständlich zwischen die Fassaden.

Altstadtgassen
Die Gassen der Altstadt bilden eine eigene Typologie im Stadtraum aus. Entsprechend dessen erfolgt auch die Gestaltung der Freiräume als eine Entwicklung im Gesamtgefüge. Während in den linearen Räumen Plattenbeläge die Struktur aufnehmen, werden in den kleinteiligen Gassen angepasste  Pflasterverbände vorgesehen. Vorzonen und Fahrbahnen erhalten einen  regelmäßigen Reihenverband, bei unterschiedlichen Oberflächenausführungen analog des zentralen "H". Bestehende Vor- und Rücksprünge werden aufgenommen, Einbauten und Brunnenanlagen im gewachsenen Gefüge integriert.
Analog der angepassten Oberflächengestaltung wird auch die historische Beleuchtung mittels Wandleuchten aufgenommen. Punktuelle Wandleuchte unterstützen das System der Gassen und Winkel und schaffen, ähnlich der linearen Seilleuchte, ein passendes, stimmungsvolles Licht.

Jean-Paul-Garten
Der Jean Paul Garten bietet die Chance eines zentralen, öffentlichen, neuen Grünquartiers innerhalb der Altstadt. Durch die neue Bebauung kann eine Nachverdichtung der Stadt erfolgen, bei gleichzeitiger Öffnung mindergenutzter Rückräume als Stadtgarten. Hierbei nimmt die Gestaltung des Jean-Paul-Gartens die Makrostrukturen der umgebenen Stadt auf und übersetzt sie in einen freiraumtypoligischen Kontext. Mit wenigen Elementen wird ein literarischer Grünraum geschaffen, welcher an das sprachliche Erbe der Stadt Wunsiedel anknüpft. Wiesenflächen, Bäume und wassergebundene Wege schaffen einen Raum zum verweilen, lesen und dösen, als auch dem Anschluss an die Bebauung. Sei es als Terrasse, Café Außenraum oder Hof. Die Anknüpfungspunkte an die Gassen und Straßen schaffen neue, attraktive Verbindungen zur Anbindung der Randbereiche und des Bahnhofareals.

Material

Mit der Verwendung eines robusten, regionalen Natursteins sieht der Entwurf eine nachhaltige lnvestition für die Zukunft vor. Hierbei greift der Entwurf auf erprobte und nachhaltige, regionaltypische Materialien des Flossenbürger und Hauzenberger Granites auf. Schöne, lang bewährte Materialien, welche im Vergleich zu anderen Natursteinen ein sehr lebendiges, warmes Farbspiel erzeugen. Die Fahrbahnen der Achsen und Gassen werden mit einem regelmäßigen Reihenpflaster aus geflammten Granitpflastersteinen ausgeführt. Ein Plattenbelag mit gestockter Oberfläche überzieht die Platzbereiche und Achsen Vorzonen. Diese setzen sich so subtil von Fahrbereichen ab. Innerhalb der engen Gassen wird die Vorzone ebenfalls durch eine gestocke Oberfläche hervorgehoben, jedoch im Pflasterformat der Gassenfahrbahn. Die engfugige Verlegung und bearbeitete Oberflächen garantieren Langlebigkeit und perfekte Benutzbarkeit. Plattenbelag und Pflaster stehen in direktem Bezug zueinander, sowohl in der Oberflächenausführung, als auch der Formate. Der regelmäßige Plattenbelag, mit einer Breite von 30cm und einer Länge von 5Ocm, gibt die Pflasterbreite von 15cm, bei 25cm länge, vor. Durch die gewählten Größen und Formate lassen sich akzeptable  Herstellungskosten, unter Einhaltung der Regeln der Pflasterkunst, einhalten. Auf Hochborde und Stufenanlagen wird zugunsten der Barrierefreiheit verzichtet. 30 cm breite Granitborde, mit einem Überstand von 2 cm bilden die Trennung zwischen Fahr- und Gehbereichen aus. ln den engen Gassen derAltstand, in welchem ein ständiges Queren unvermeidbar ist, wird der Bord ebenerdig als Band weitergeführt.

Ausstattung
Die Ausstattung ist klassisch - zeitlos und gleichzeitig der Tradition der Altstadt verpflichtet. Sitzbank aus Stahl und Holzaufiage, Abfallbehälter und Fahrradständer bilden eine besondere Komposition, zugeschnitten auf die hervorzuhebenden Besonderheiten in Wunsiedel. Durch die Verwendung erprobter Elemente und den Verzicht auf spezielle Sonderanfertigungen wird Langlebigkeit und wirtschaftlicher Unterhalt durch die Verwaltung garantiert, als auch ein hohes Maß an Originalität und ldentität geschaffen. Gleiches gilt für die Wandleuchte, welche sich entlang der Gassen reiht und nach Einbruch der Dunkelheit eine gleichmäßige Lichterreihe erzeugt. Durch die Nutzung optimierter Reflektoren und effizienter LED  Leuchtmittel, in der historischen Fassung, wird die Ausleuchtung der Oberfläche optimiert und störende Lichtemissionen in Himmel und auf Fassaden unterbunden.
Die Sonderleuchte der Lichtlinie wird als segmentierte LED Lichtlinie mit einer opalen Lichthülle gefertigt und aufgehängt. Hierdurch wird gewährleistet, dass die gestalterische Linienführung flexibel am Tragseil montiert werden kann. Durch den Einsatz platzsparender LED Lichtquellen mit Linsenreflektor wird die sonst  punktuelle Ausleuchtung der Stadtachsen, zu einer linearen Ausleuchtung moduliert. Hierbei wird dieselbe Raumausleuchtung in der Achsbreite erreicht, ohne die Ungleichmäßigkeiten Beleuchtungseffekte konventioneller Punktleuchten zu erzeugen.

Sturm und Wartzech

Sturm und Wartzech Architekten aus Dippertz und f-Landschaftsarchitektur, Bonn.

Impressionen